von Tine Hanrieder und Markus Gloe

Feedback zur Forschung ist in der Politikwissenschaft durch Konferenzen, Workshops und Kolloquien fest etabliert. Dagegen wird in der Lehre nur sehr selten Feedback von anderen DozentInnen gesucht. Einzig durch Evaluationen von Studierenden kommt es zu einigermaßen systematischen Feedback-Schleifen. Aber reicht das? Auch in der Lehre kann man sich von KollegInnen systematisch Feedback holen. An Schulen hat sich kollegiales Feedback in den letzten Jahren verbreitet, an deutschen Hochschulen finden sich jedoch nur wenige Ansätze.Kollegiales Feedback ist unserer Erfahrung nach ein effektives Mittel zur Qualitätssicherung in der Lehre und zur gegenseitigen Stärkung und Weiterentwicklung der Lehrenden. Sich strukturiert gegenseitig zu hospitieren, hilft Lehrenden, der Isolation von Hochschullehre zu entgehen und einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch nah am eigenen Lehralltag anzustoßen. Wir haben kollegiales Feedback an unserem Institut in verschiedenen Konstellationen ausprobiert und, gestützt auf Erfahrungen mit kollegialem Feedback in Schulen, einige Faustregeln und Checklisten in einem Leitfaden notiert.[1]

Kollegiales Feedback lässt sich in Zweier- oder Dreierteams durchführen. Als Vorteil von Tandems wird oft die stärkere Vertraulichkeit empfunden sowie der etwas geringere zeitliche Aufwand. Trios bieten eine größere Perspektivenvielfalt. Vor den tatsächlichen gegenseitigen Besuchen gilt es, sich über die subjektive Theorie von guter Lehre jedes/jeder Einzelnen auszutauschen (vgl. auch Beitrag 2 im zib-Artikel). Denn nur auf dieser Grundlage lässt sich anschließend ein angemessenes Feedback geben. Es hat sich als hilfreich erwiesen, unmittelbar vor dem Besuch von der/dem Besuchten selbst zwei bis drei Beobachtungsschwerpunkte festzulegen, die in den Bereichen Verhalten und Einstellung, Wissen, Kompetenzen, Handeln und Arbeiten sowie Sozialverhalten liegen. Im Anschluss an die Lehrveranstaltung findet im geschützten Rahmen ein Feedbackgespräch statt. Darin rekapituliert zunächst der/die Lehrende das Seminargeschehen. Anschließend werden die Beobachtungen der beobachtenden KollegInnen berichtet. Rückfragen an die/den Beobachtete/n helfen zum Teil unbewusste Verhaltensweisen zu reflektieren. Am Ende des Gesprächs werden alle Aufzeichnungen an den Feedbacknehmenden zur persönlichen Nachbereitung übergeben. Auch für kollegiales Feedback gelten die gängigen Regeln von wertvollem Feedback. Dabei konnten wir erfahren, wie hilfreich ein externer Blick auf eigene Schwächen, vor allem aber auf Stärken, auf Dynamiken in den Lerngruppen und nicht zuletzt auf unsere kaum bewussten Gewohnheiten in der Lehre ist. Auch die Rolle der Ratgebenden und die ungewöhnliche Situation, sich beim Hospitieren in die Rolle der Studierenden zu versetzen, hat unsere Wahrnehmung für Lehrsituationen geschärft.

Nicht zuletzt schafft kollegiales Feedback eine Gesprächskultur und ein stärkeres Teamgefühl unter KollegInnen. Zugleich ist jedoch auch aufgefallen, dass wir und unsere KollegInnen eine deutliche Hemmschwelle überwinden mussten, um uns der Hospitation auszusetzen. Für junge Lehrende, aber auch für ProfessorInnen, erzeugt kollegiales Feedback zunächst eine ungewohnte Stresssituation. Außerdem scheint die Methode weitaus leichter zwischen KollegInnen der gleichen Hierarchiestufe zu funktionieren, als etwa zwischen ProfessorInnen und MittelbaulerInnen – aber auch hier lässt sich die Methode flexibel an eigene Bedürfnisse anpassen. Wir halten es für wünschenswert, dass Institute systematisch kollegiales Feedback in ihre Programme einbauen, um so die Arbeitszufriedenheit zu steigern und die Lehre nachhaltig zu verbessern.

 

Dies ist ein Beitrag aus der aktuellen Mini-Blogreihe zur „guten Lehre“ in den IB. Wie kann dieses Praxisbeispiel aus der Sicht der Didaktik gesehen werden? Lesen Sie den Didaktik-Kommentar und andere Praxis-Beispiele aus der IB-Lehre in der aktuellen zib!

 

[1] Abrufbar unter http://www.gsi.uni-muenchen.de/lehreinheiten/sozialkunde/forschung-projekte/ kollegiales-feedback-am-gsi/leitfaden-kollegiales-feedback.pdf.