Liebe Leserinnen und Leser,

die sogenannte „IB-Sektion“ der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) heißt jetzt nicht nur tatsächlich „Sektion Internationale Beziehungen“ (und nicht mehr „Sektion Internationale Politik“).  Ihre halbjährlich in der zib erscheinenden Mitteilungen können ab jetzt auch schon vor Erscheinen der entsprechenden Ausgabe über den Blog gelesen werden.

In den untenstehenden Mitteilungen lesen Sie einen Rückblick auf den DVPW-Kongress in Duisburg, Pläne für die nächsten drei Jahre, Neues aus der Nachwuchspolitik und die Kontaktdaten der neuen SprecherInnen.

 

Viel Spaß beim Lesen,

die zib-Redaktion

 

 

Mitteilungen der DVPW-Sektion »Internationale Beziehungen« (2/2015)

 

  1. DVPW-Kongress in Duisburg

Vom 21. bis 25. September 2015 fand an der Universität Duisburg-Essen der Kongress der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) statt. Der Kongress wurde von der turbulenten Mitgliederversammlung überschattet, als deren Ergebnis die DVPW nun ohne Vorsitzende/n da steht. Die gewählten Vorstands- und Beiratsmitglieder verstehen sich als »Übergangsgremium«, das nicht die gesamte Amtszeit von drei Jahren ausschöpfen, sondern die dramatischen Ergebnisse der Mitgliederversammlung aufarbeiten und innerhalb Jahresfrist den Weg für eine Neuwahl der gesamten Führung der DVPW ebnen möchte. Für die IB-Sektion ist dieses Verständnis eines Übergangsprozesses wichtig, nicht nur weil die Wahlen zum Vorsitz und Vorstand der DVPW in Duisburg aus Sicht der Sektion sehr problematisch verlaufen sind. Der Sektionsvorstand teilt darüber hinaus die grundsätzliche Einsicht, dass die Strukturen und Arbeitsabläufe der DVPW auf mehreren Ebenen reformbedürftig sind. Er hat den sich bewusst als Übergangsvorstand/-beirat verstehenden Persönlichkeiten eine konstruktive Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung der Ereignisse in Duisburg und der Überwindung der hier zum Vorschein gekommenen Konfliktlinien innerhalb des Verbandes zugesagt. Klaus Schlichte wird als Mitglied der Sektion in der dafür gegründeten »Task-Force« mitwirken.

Die IB-Sektion war am Kongress in inhaltlicher Hinsicht stark beteiligt. Sie hat insgesamt drei Panels organisiert. Kritisch anzumerken ist, dass der alte Sektionsvorstand diese drei Panels aus insgesamt 15 Panelvorschlägen hat auswählen müssen, die inhaltlich grundsätzlich alle geeignet gewesen wären. Dies verweist nachdrücklich auf Reformbedarf mit Blick auf die Tagungsorganisation, denn zu viele KollegInnen, die Interesse an einer Teilnahme hatten und gute Panelvorschläge vorgelegt haben, mussten abgewiesen werden.

Die drei von der Sektion organisierten Panels wurden von Mischa Hansel (Universität Gießen), Ulrich Schneckener (Universität Osnabrück) und Christopher Daase (Universität Frankfurt a. M./HSFK) geleitet. Die Panels waren mit zwischen 40 und 70 TeilnehmerInnen gut besucht. Gemeinsam mit der »Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte« hat die IB-Sektion darüber hinaus ein Panel zum Thema »Das Geheimnis in der Außenpolitik« organisiert, das von Anna Geis (Universität Magdeburg) und Marcus Llanque (Universität Augsburg) moderiert wurde. Auch mehrere mit der Sektion affiliierte Arbeitskreise (z. B. der »AK Soziologie der IB« und der »AK Gewaltordnungen«) und Themengruppen (z. B. »Außen- und Sicherheitspolitik« und »Diskursforschung in den IB« und »Kritische Sicherheitsstudien«) waren aktiv an der Tagung beteiligt.

An der Mitgliederversammlung der Sektion haben etwa 90 Personen teilgenommen. Das amtierende SprecherInnenteam (Anna Geis, Stephan Stetter, Bernhard Zangl) stellte seinen Rechenschaftsbericht über die Aktivitäten der vergangenen drei Jahre vor und wurde anschließend entlastet. Die Mitgliederversammlung stimmte der Umbenennung der Sektion in »Sektion Internationale Beziehungen« (bisher »Sektion Internationale Politik«) zu. Als neues SprecherInnenteam wurden Margit Bussmann, Klaus Schlichte und Stephan Stetter gewählt (s. u.).

Der neue Sektionsvorstand will sich in den kommenden Jahren insbesondere auf die inhaltliche Arbeit konzentrieren. Neben der Offenen Sektionstagung (voraussichtlich im September 2017) soll in alternativen Arbeitsformaten (z. B. Workshops, AutorenInnenkonferenzen) an den Themen »Gewinnung, Generierung und Reflektion von empirischen Forschungsdaten« (»wo kommen denn all die kleinen Daten her…«) und »Dialog mit Globalgeschichte/Historische Soziologie« gearbeitet werden. In Kooperation mit der neu gegründeten Themengruppe »Hochschullehre« soll, in Fortführung der Sektionstagung in Tutzing 2015, auch die Arbeit am Thema Lehre und Didaktik weiter behandelt werden.

 

  1. Personalia

Auf der 9th Pan-European Conference on International Relations auf Sizilien (23.-26.9.2015) wurde Prof. Dr. Thomas Diez (Universität Tübingen) zum neuen Präsidenten der European International Studies Association (EISA) gewählt.

 

  1. Nachwuchspolitik und -aktivitäten

Die Nachwuchssprecherin und der Nachwuchssprecher der IB-Sektion teilen die Einschätzung des Sektionsvorstandes, dass die Ereignisse und Folgen der Mitgliederversammlung kritikwürdig sind und  den Reformbedarf als auch die Notwendigkeit eines konstruktiven Dialogs über die Zukunft der DVPW aufzeigen. Wir hoffen, dass die offenkundigen Konfliktlinien nicht die nachwuchspolitischen Inhalte und Impulse des Kongresses dauerhaft überschatten werden.

Auf dem DVPW-Kongress in Duisburg fand ein Plenum zu Nachwuchsförderung und Karriereplanung unter Beteiligung von Thorsten Thiel (»AK Nachwuchs« und HSFK, Frankfurt a. M.), Claudia Wiesner (StaFF [1] und Universität Marburg), Kai-Uwe Schnapp (Studie Karriereperspektiven, Universität Hamburg), Andreas Keller (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW), Frieder Vogelmann (Universität Bremen) und Gabi Schlag (Universität Magdeburg) statt. Die TeilnehmerInnen präsentierten nicht nur Studienergebnisse zur Situation des (politik-)wissenschaftlichen »Nachwuchses« in Deutschland, sondern diskutierten auch grundsätzliche politische sowie lokale kontextangepasste Reformansätze.

Gabi Schlag stellte im Rahmen des Plenums die von der Nachwuchssprecherin und dem Nachwuchssprecher der IB-Sektion angestoßene Initiative »Wissenschaft als Beruf – für bessere Beschäftigungsbedingungen und planbare Perspektiven« vor. Das Ziel der Initiative ist es, hochschulpolitische Veränderungen zu befördern, die zu einer Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen und Perspektiven für junge WissenschaftlerInnen in Deutschland führen. Den Anstoß für die Initiative lieferte das Nachwuchstreffen der Offenen Sektionstagung Internationale Politik im September 2014 in Magdeburg. Daraufhin wurde, ausgehend von der IB-Nachwuchsgruppe, unter einigen NachwuchssprecherInnen der DVPW-Sektionen sowie Mitgliedern des Vorstands und Beirats ein gemeinsamer Entwurf für einen offenen Brief entwickelt, der dann von Anfang Dezember 2014 bis Ende Februar 2015 online gezeichnet werden konnte.[2] Insgesamt haben 13.873 Personen die Online-Petition unterschrieben, die dann an hochschulpolitische EntscheidungsträgerInnen in Bund und Ländern, die Wissenschaftsorganisationen und diverse Medien versandt wurde.

Der zudem an Hochschulen und Forschungseinrichtungen gerichtete offene Brief fordert, die Einhaltung geltender Standards für gute Beschäftigungsbedingungen konsequent sicherzustellen, die Möglichkeiten bei der mitarbeiterfreundlichen Ausgestaltung von Beschäftigungsverhältnissen durch die Universitäten auszuschöpfen sowie langfristig auf (landes- und bundes-)politischer, universitärer und Institutsebene und unter Einbeziehung der »betroffenen« NachwuchswissenschaftlerInnen für eine grundlegende Verbesserung von Beschäftigungsverhältnissen durch die Schaffung attraktiver, verlässlicher und familienfreundlicher Karriereperspektiven sorgen. Dazu sind unter anderem die Schaffung zusätzlicher Professuren, die Einführung von Entfristungsregelungen und die Förderung von Karrierewegen jenseits der Professur in der Forschung, in der Lehre und im Wissenschaftsmanagement notwendig. Die Initiative stieß nicht nur auf positive mediale Resonanz (etwa in der ZEIT und der TAZ). Auch die im Detail durchaus heterogenen Rückmeldungen aus der Bundes- und Landespolitik sowie den Fach- bzw. Wissenschaftsvereinigungen – von Bundesbildungsministerin Wanka und der Hochschulrektorenkonferenz ging leider keine Antwort ein – signalisierten zumindest eine geteilte Problemwahrnehmung, das Vorhaben, »etwas für den Nachwuchs zu tun«, und ein Interesse an mehr Austausch und Dialog über konkrete Reformansätze. So konnte die Initiative dazu beitragen, politischen Handlungsdruck zu steigern und zugleich Kontakte für die Vertretung und Einspeisung konkreter hochschulpolitischer Forderungen und Positionen zu knüpfen.

Das sich in der deutschen politischen Debatte bietende Gelegenheitsfenster im Zuge der anstehenden Novellierung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes im Herbst und zahlreicher Initiativen sollte genutzt werden, so die einhellige Meinung des Plenums. Anregungen für und Erfahrungen mit konkreten Reformansätzen nehmen wir gerne via karriereperspektiven.dvpw@gmail.com entgegen.

Die Diskussion von Nachwuchsbelangen ist auch fester Bestandteil der IB-Nachwuchstagung. Deren nunmehr zwölfte Ausgabe wird vom 15. bis 17. April 2016 an der Akademie für Politische Bildung Tutzing stattfinden. Die Tagung mit dem Titel »Sicherheit, Wirtschaft, Gesellschaft: Theorien und Problemfelder internationaler Politik« bietet NachwuchswissenschaftlerInnen (insbesondere DoktorandInnen) die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeiten aus dem Bereich der Internationalen Beziehungen mit VertreterInnen des Fachs zu diskutieren. Bis zum 1. Oktober konnten dafür Abstracts eingereicht werden, die derzeit ein anonymes Begutachtungs- und Auswahlverfahren durchlaufen. Die Nachwuchstagung steht auch interessierten TeilnehmerInnen offen, die kein eigenes Papier vorstellen möchten. Diese wenden sich bitte bis zum 31. Januar 2016 unter nachwuchstagung2016@gmail.com an die Nachwuchssprecherin bzw. den Nachwuchssprecher der Sektion.

 

  1. Sprecher/innen

Prof. Dr. Margit Bussmann (geschäftsführend 2017/18)
Universität Greifswald
Institut für Politik- und Kommunikationswissenschaft
Baderstraße 6/7, 17489 Greifswald
Tel.: 03834 86 3160
E-Mail: bussmann@uni-greifswald.de

 

Prof. Dr. Klaus Schlichte (geschäftsführend 2016/17)
Universität Bremen
Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS)
Postfach 330440, 28334 Bremen
Tel.: 0421 21867482
E-Mail: kschlich@uni-bremen.de

 

Prof. Dr. Stephan Stetter (geschäftsführend 2015/16)
Institut für Politikwissenschaft
Universität der Bundeswehr München
Werner-Heisenberg-Weg 39, 85577 Neubiberg
Tel.: 089 6004 3175
E-Mail: stephan.stetter@unibw.de

 

  1. Nachwuchssprecher/innen

Dr. Andreas Kruck
Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaft
Oettingenstraße 67, 80538 München
Tel: 089 2180 9054
E-Mail: andreas.kruck@gsi.uni-muenchen.de

 

Dr. Gabi Schlag
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Institut für Politikwissenschaft
Zschokkestr. 32, 39104 Magdeburg
Tel.: 0391 6756804
E-Mail: gabi.schlag@ovgu.de

 

 

[1] Ständiger Ausschuss für Fragen der Frauenförderung (StAFF) der DVPW.

[2] vgl. https://www.openpetition.de/petition/online/wissenschaft-als-beruf-fuer-bessere- beschaeftigungsbedingungen-und-planbare-perspektiven.